Fahrzeugkonzept der Freiwilligen Feuerwehr Unterhaching

Ab dem Jahr 1997, unter der Leitung von Kommandant Josef Gmeinwieser, wurde ein neues Fahrzeugkonzept für die Unterhachinger Feuerwehr entwickelt und konsequent umgesetzt.  Die wesentlichen Änderungen sollten dabei der Verzicht auf den klassischen Rüstwagen und die vom Einsatzspektrum sehr eingeschränkten Tank- und Löschfahrzeuge sein. Dafür wurden zwei sogenannte HLF (Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeuge) mit Druckluftschaumanlage (CAFS, Compressed Air Foam System)  sowie der Aufbau eines Wechselladersystems eingeführt. Das Ziel war dabei die sehr teure Neuanschaffung des in die Jahre gekommenen Rüstwagens einzusparen und durch das Wechselladersystem, sowie den Umstieg auf zwei HLFs eine in den Anschaffungskosten günstigere und hoch flexible Alternative zu haben. So kann auf sich ändernde Herausforderungen im Einsatzalltag, schneller und mit geringerem Kostenaufwand reagiert werden.

Leider spielte zu dieser Zeit die Feuerwehrnorm noch nicht ganz mit. HLF’s wurden vom Staat noch nicht bezuschusst. So wurde im Jahr 2000 das erste Fahrzeug in diesem Konzept noch als offizielles Löschgruppenfahrzeug, LF16/12 (unser 40/1) mit technischen Modulen von der Firma Ziegler an uns ausgeliefert. Allerdings war die Richtung bereits deutlich zu erkennen und streng genommen, ist das LF bereits ein HLF gewesen. So waren neben der Normbeladung des Fahrzeugs, 1600 Liter Wassertank und zwei Schaummitteltanks mit insgesamt 150 Liter Fassungsvermögen,  inkl. eines fest eingebauten Wasserwerfers auf dem Dach, eben auch sehr umfangreiche Geräte zur technischen Hilfeleistung vorhanden. Dies waren z.B. Greifzug, Hebekissensatz,  Rettungssatz mit Schere, Spreizer und Rettungszylinder, fest eingebauter Stromgenerator, integrierter pneumatisch ausfahrbarer Lichtmast, Plasmaschneider und vieles mehr. Leider versagte es die damals gültige Norm noch eine Seilwinde einzubauen. Die Feuerlöschkreiselpumpe wurde durch eine, bis dahin bei freiwilligen Feuerwehren noch sehr seltene, Druckluftschaumanlage kurz CAFS ergänzt. Hierbei wird bereits nach der Zumischung des Schaummittels mittels eingeblasener Druckluft ein Löschschaum erzeugt und nicht erst am Strahlrohrausgang, wie bei herkömmlichen Schaumzumischsystemen.  Dies führt zu einem deutlich reduzierten Wasseranteil und somit zu geringerem Gewicht der Schläuche. Bei gleicher Löschwirkung, kann so der Wasserschaden um ein Vielfaches reduziert werden.

Im Jahr 2002 wurde dann ein echtes Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (unser 49/1) beschafft. Dem damaligen Gemeinderat mit seiner Weitsicht und den bei der Beschaffung des LF16/12 fast unüberwindlichen bürokratischen Hürden ist es zu verdanken, dass dabei auf den noch immer nicht möglichen staatlichen Zuschuss für HLF’s verzichtet werden konnte. Das HLF24/20 verfügt auch über die CAFS Anlage, einen großen Wassertank (2000 Liter), einen fest montierten Wasserwerfer auf dem Dach, einen integrierten pneumatisch ausfahrbaren Lichtmast und ergänzt den 40/1 mit wiederum sehr umfangreichen technischen Geräten. So wurde hier ein Be-/ und Entlüftungsgerät, Hochdrucklüfter sowie ein Sortiment von leistungsstarken Schmutzwasserpumpen untergebracht. Ein zweiter Rettungssatz konnte ebenso eingebaut werden, wie ein tragbarer Stromgenerator. Eine Rettungssäge (Multicut) sowie einige andere elektrische Trenn- und Schneidgeräte sind zudem vorhanden.

Ergänzend konnte im gleichen Jahr das erste Wechselladerfahrzeug (unser 82/1) in Betrieb genommen werden. Dieses Fahrzeug wurde dann auch mit der noch fehlenden Seilwinde ausgestattet und hat auch einen hinter der Kabine fest montierten Kran. Um das teilweise unzureichende Hydrantennetz in Unterhaching auszugleichen, wurde im Jahr 2003 als erstes ein Abrollbehälter „Löschwasser“ beschafft. Dieser AB-Wasser verfügt über einen Wassertank (zwei Kammern) mit insgesamt 11m3 Inhalt und einer festeingebauten TS8, sowie diversen wasserführenden Armaturen, Saugschläuchen, B- und C-Schläuchen und Strahlrohren. So kann dieser AB-Wasser zur Unterstützung der beiden Löschfahrzeuge dienen oder auch völlig autark arbeiten. Im Jahr 2005 wurde dann der AB-Umwelt in Betrieb genommen. Dieser Abrollbehälter ist mit Material für die Abwehr und Eindämmung von umweltschädlichen Ereignissen beladen.

Somit war es geschafft. Nach der Ausmusterung des Rüstwagens war dessen wesentliche Beladung komplett auf ein LF, HLF und den AB-Umwelt verteilt. In den Jahren 2005 bis 2007 wurden der AB-Atemschutz, AB-Vakuum und ein weiteres Wechselladerfahrzeug, der 82/2 beschafft.

Um mit diesem System auch ortsübergreifende Synergien zu schaffen, wurde zusammen mit den Feuerwehren Ottobrunn und Taufkirchen eine entsprechende Vereinbarung getroffen. Da auch diese Feuerwehren zukünftig auf ein Wechsellader System setzen wollten, wurde vereinbart die Abrollbehälter nicht doppelt anzuschaffen. Vielmehr hat man sich darauf verständigt, welche Behälter in der Umgebung notwendig sind und welche Feuerwehr diese beschafft. Sodass jede Feuerwehr jederzeit auf die Abrollbehälter der anderen Wehren zugreifen kann. Dies sollte einerseits öffentliche Gelder einsparen und natürlich die Zusammenarbeit unter den Wehren stärken. So können die drei Feuerwehren nach über zehn Jahren auf ein sehr umfangreiches Angebot an verschiedensten Abrollbehältern und insgesamt sechs Wechselladerfahrzeuge zurückgreifen.

Ein Auszug der verfügbaren Abrollbehälter:
AB-Umwelt, AB-Sonderlöschmittel, AB-THL Schwer, AB-Generator, AB-Küche, AB-Rüstholz, AB-Schlauch, AB-Atemschutz, AB-Mulde, AB-Vakuum, AB-Wasser, AB-Licht, uvm.

Mit der im Jahr 2012 vollzogenen Anschaffung des dritten Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeugs in Unterhaching, dem 48/1, konnte nun das Fahrzeugkonzept vervollständigt werden. Dieses Fahrzeug ersetzt ein Kleinalarmfahrzeug (KLAF) und wurde neben der Normbeladung eines HLF10/6, unter anderem mit zwei Wassersaugern, Dichtungsmaterial und ausreichend Ölbindemittel beladen. Da es seit einigen Jahren bereits eine Norm für unterschiedliche HLFs gibt, konnte dieses Fahrzeug auch mit Zuschuss vom Staat beschafft werden.

Die Unterhachinger Feuerwehr verfügte nun über drei Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeuge, mit welchen der größte Teil unserer Aufgaben im Einsatzalltag bewerkstelligt werden kann. Basierend auf den unterschiedlichen Ausstattungen der drei HLFs, ergibt sich so eine klare Ausrückeordnung der Fahrzeuge. So rückt der Unterhaching 49/1, auf Grund des größeren Wasservorrats bei Brandeinsätzen, als erstes Fahrzeug aus. Der Unterhaching 40/1 ist das erste Fahrzeug, wenn technische Hilfeleistung gefragt ist, wie z.B. bei Verkehrsunfällen. Der Unterhaching 48/1 ist das erste Fahrzeug, bei sogenannten Kleinalarmen wie z.B. Ölspuren und Wasserschäden. Alle Fahrzeuge ergänzen sich letztlich untereinander und können auch alleine ein großes Einsatzspektrum bewältigen.

Über die Jahre hat sich dieses Fahrzeugkonzept bestens bewährt und wird auch für die nächsten Jahrzehnte das Fundament für zukünftige Beschaffungen sein. Auch die Feuerwehrnorm ist schließlich diesem Vorbild gefolgt und hat sich den neuen Begebenheiten angepasst. So gibt es mittlerweile neben den klassisch genormten Löschfahrzeugen, auch immer eine Norm für entsprechende Hilfeleistungslöschfahrzeuge. Die CAFS-Anlage ist ebenso, wie auch die Wechsellader, kein Exot mehr bei den Freiwilligen Feuerwehren. Immer mehr, meist größere Feuerwehren, haben die Vorteile dieses Konzepts sowie der Technik erkannt und stellen Ihren Fuhrpark um.

So ist es auch ein Stück weit der Freiwilligen Feuerwehr Unterhaching zu verdanken, dass in die bis dahin seit Jahrzehnten unveränderte und sehr starre Fahrzeugnorm, endlich Bewegung kam.