Taktik-Schulung mit der neuen Drehleiter

Die „Magirus Fire Fighter Academy“ zu Gast bei der der Feuerwehr Unterhaching zur Drehleiter Taktik-Schulung.

Wie bereits berichtet konnte die Feuerwehr Unterhaching im vergangenen Jahr eine neue Drehleiter in Dienst stellen. Nach der ersten Einweisung unserer Maschinistenausbilder, im Rahmen der Fahrzeugabholung im Magirus Werk Ulm, konnten diese bereits alle Unterhachinger Drehleitermaschinisten auf das neue Fahrzeug schulen.
Mittlerweile wurden auch schon einige Einsätze mit der neuen Drehleiter abgearbeitet, wobei bereits das ein oder andere Mal die neuen technischen Möglichkeiten deutlich wurden.

Bereits bei der Abholung im September 2015 wurde vereinbart, eine „Drehleiter Taktik-Schulung“ durch die „Magirus Fire Fighter Acedemy“ in unserer Feuerwehr durchzuführen. Im Februar 2016 war es nun so weit. Dreizehn Drehleitermaschinisten, darunter der Kommandant, vier Führungsdienstgrade und acht Mannschaftsdienstgrade traten an, die neue Drehleiter richtig kennen zu lernen, sie taktisch bestmöglich einzusetzen und an ihre Grenzen heran zu führen. Der Kommandant und die Führungsdienstgrade werden zwar eher selten als Maschinist die Drehleiter einsetzten, sie müssen aber ihre Grenzen und Möglichkeiten genau kennen, um sie optimal in Stellung bringen zu können.
Die Teilnehmer opferten dafür einen Urlaubstag und das Wochenende um sich in Ihrer Freizeit ausbilden zu lassen.

 

Freitag, Tag 1:

Am 19.02., pünktlich um 8:00 Uhr morgens ging es im Lehrsaal der Feuerwehr Unterhaching los. Die beiden Trainer der Magirus Fire Acedemy referierten über die theoretischen Grundlagen zum Drehleitereinsatz. So wurden die Sicherheit und Unfallverhütungsvorschriften besprochen. Die „HAUS“ Regel wurde durchgesprochen. „HAUS“ bedeutet „Hindernisse, Abstände, Untergrund, Sicherheit“ und soll der Drehleiterbesatzung helfen den optimalen und sicheren Standort für die Drehleiter zu finden. Wichtige Einsatztaktische Grundregeln zum Einsatz von Drehleitern wurden ebenfalls durchgesprochen. Die Themen wurden unter anderem mittels kleiner Modelldrehleitern und eingespieltem Videomaterial sehr anschaulich vermittelt. Am Nachmittag war dann der theoretische Teil beendet und es ging in den Feuerwehrhof. Hier wurde als erstes ein Vermessungsplan der Unterhachinger Drehleiter erstellt. Wichtige Maße wie z.B. die Länge vom Drehkranzmittelpunkt bis zum Ende des waagrechten Leiterparks wurde zunächst  vermessen. Danach konnte jeder Teilnehmer die Entfernung abschreiten um sie mit seiner eigenen Schrittanzahl zu bestimmen. Dies wurde für insgesamt sieben einsatztaktisch wichtige Maße wiederholt und in einen, für jeden Teilnehmer eigenen, Bemessungsplan eingetragen. Als nächstes wurden die Anbauteile der DL durchgesprochen und jeweils an den Korb an- und abgebaut. Hierzu zählen z.B. die Krankentragenlagerung, der „Safety Peak“ genannte Anschlagpunkt zur Personensicherung, die Schleifkorbtrage mit dem entsprechenden Sicherungssatz. Dann wurden die verschiedenen Anschlagmöglichkeiten für Lasten am Leiterpark gezeigt und wie sie verwendet werden können. Zum Schluss wurde noch der Korb vom Leiterpark abgenommen, was sich an den beiden nächsten Tagen noch als sehr hilfreiche Option im Einsatz herausstellte.

 

Samstag, Tag 2:

Am zweiten Tag des Trainings wurden dann nicht nur die Technik der Drehleiter auf Ihr Durchhaltevermögen geprüft sondern auch die 13 Teilnehmer und die beiden Ausbilder. Bei sehr niedrigen Temperaturen, Schnee, Regen und starkem Wind wurden alle extrem gefordert. Aber bei Einsätzen kann man sich das Wetter auch nicht aussuchen und so kämpften sich alle tapfer bis zum Schluss durch, trotz durchnässter Handschuhe und steifgefrorener Finger. Aber es wurde ja auch geübt und das nicht zu knapp. Die beiden Ausbilder haben sich bereits am Donnerstag einige „besondere“ Objekte in Unterhaching ausgesucht und Ihre Übungen an diesen akribisch vorbereitet. So musste jeweils eine zuvor bestimmte Drehleiterbesatzung (drei Personen) verschiedene Szenarien abarbeiten. Schnell war jedem klar, dass die am Tag zuvor erstellten Bemessungspläne eine wichtige Rolle spielen um die Aufgaben optimal lösen zu können. So musste die DL an verschiedensten Häuserfronten oder –ecken so platziert werden, dass die von den Ausbildern geforderten Fenster erreicht werden konnten. Dabei waren oft viele Hindernisse wie z.B. Bäume, parkende Autos, Blumenrabatten, Mauern  und vieles mehr im Weg. Der anhaltende Regen machte die Sache nicht einfacher, da die Wiesen auf die die DL zu meist abgestützt werden musste mittlerweile wie ein Schwamm mit Wasser vollgesaugt waren. Aber hier zeigte sich dann auch tatsächlich, dass die Grenzen der Abstützung und Ausladung der Leiter oft deutlich unterschätzt wurden was einen sehr hohen Lerneffekt mit sich brachte. Schon bei der ersten Übung wurde auch der unschätzbare Vorteil des abknickbaren ersten Leiterteils deutlich. Ohne diese Option hätte das ein oder andere Ziel nicht erreicht werden können. Schließlich konnten aber alle Aufgaben erledigt werden.

 

Sonntag, Tag 3:

Das Wetter war am dritten Tag optimal. So wurden auch gleich um 8:00 Uhr ohne Verzögerung die Fahrzeuge besetzt und es ging Richtung Sportpark. Hier standen zunächst zwei Übungen am Sportparksee auf dem Plan. Die erste Übung musste im Unterflurbereich gefahren werden. Das bedeutet die Einsatzstelle befindet sich unterhalb des Fahrzeugniveaus. Die engen und nicht ebenen Wege im Sportpark machten die Platzierung der DL und die Abstützung dabei zur Herausforderung. Als nächstes musste der Korb knapp über dem Wasserspiegel einen möglichst großen Bereich abfahren. Die Schwierigkeit dabei, der Maschinist am Hauptbedienstand bekam eine verdunkelte Brille aufgesetzt und musste die Fahrbefehle der Korbbesatzung „blind“ verstehen und umsetzen ohne den Korb ins Wasser zu tauchen. Das nächste Ziel war das Fußballstadion selbst. Hier galt es zunächst einen der vier Flutlichtmasten anzufahren, wobei die DL bei sehr beengten Platzverhältnissen optimal platziert werden musste. Das hatte z.B. zur Folge, dass eine der Stützen auf eine Treppenstufe aufgesetzt werden musste. Auch diese Übung gelang. Die nächste Aufgabe bestand darin eine Person von der  Osttribüne zu retten. Unter wiederum sehr komplizierten Platzverhältnissen – auf einer schrägen Abfahrt – konnte diese Aufgabe unter Verwendung der Schleifkorbtrage ebenfalls erledigt werden. Zum Abschluss wurde dann noch der neue fest eingebaute Wasserwerfer und die Selbstschutzanlage des Korbs in Betrieb genommen und getestet. Danach ging es zurück ins Feuerwehrhaus. Hier wurde noch die optionale Kranfunktion durchgespielt. Hier kam es ebenfalls auf die richtige Platzierung der Drehleiter an.

 

Das war es dann auch schon. Drei anstrengende Tage die aber dennoch allen viel Spaß mit sich gebracht haben. Alle Teilnehmer waren hochzufrieden, denn der Lerneffekt war dank der ausgeklügelten Übungen bei allen sehr hoch.

Nun gilt es das Erlernte in der Maschinistenausbildung umzusetzen. Dafür werden die beiden Drehleiterausbilder Martin Bogensberger und Jürgen Fritz in den nächsten Wochen das Ausbildungskonzept entsprechend umarbeiten um die Drehleitermaschinisten noch besser auf Ihre Aufgaben vorbereiten zu können.

Vielen Dank an die beiden Ausbilder der Magirus Fire Fighter Acedemy, aber auch vielen Dank an alle Teilnehmer für das erbrachte Engagement in ihrer Freizeit.