Wie funktioniert eine Freiwillige Feuerwehr in Bayern?

Oft sehen wir Bilder von Feuerwehrleuten in den Nachrichten, in Zeitungen, dem Internet oder auch vor Ort bei uns in Unterhaching, die Personen aus verunfallten Fahrzeugen retten, Brände löschen, bei Veranstaltungen Wachen abhalten, u.v.m.. Aber haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie denn so ein Einsatz abläuft, nachdem Sie als Bürger einen Notruf absetzen und darauf vertrauen schnelle, professionelle Hilfe zu erhalten.
Des Öfteren werden wir in Unterhaching gefragt, ob unsere Feuerwehr eine Berufsfeuerwehr ist. Angesichts unseres Fuhrparks und der Tatsache, dass es hier Leute gibt, die Tag und Nacht immer verfügbar sind, staunen die Meisten, wenn man Ihnen erklärt, dass die Unterhachinger Wehr eine freiwillige Feuerwehr ist.
Aus diesem Grund wollen wir Ihnen heute einmal zeigen wie die freiwilligen Feuerwehren in Bayern und insbesondere in Unterhaching funktionieren.

Gesetzliche Vorgaben
Nach dem bayrischen Feuerwehrgesetz (BayFwG), sind die Gemeinden dazu verpflichtet, Feuerwehren zu stellen. Das bedeutet, die Gemeinden haben für die Ausstattung mit den benötigten Fahrzeugen und technischen Geräten, das Feuerwehrhaus und den finanziellen Unterhalt der Feuerwehr zu sorgen. Dabei spielen besondere Gefahren im jeweiligen Gemeindegebiet (Gewerbebetriebe, Autobahnen, etc.) ebenso eine Rolle, wie die sogenannten Hilfsfristen. Das ist die Zeit, die die Feuerwehr maximal benötigen darf, von der Alarmierung bis zum Eintreffen am Einsatzort.
In den Gemeinden und auch in vielen kleineren Städten, sorgen die Feuerwehrvereine für die Bereitstellung der Feuerwehrleute. Diese Frauen und Männer erhalten keine Bezahlung für Ihren Dienst, sie arbeiten ausschließlich ehrenamtlich. Berufsfeuerwehren dagegen gibt es in der Regel nur in Städten mit mehr als 100 000 Einwohner. Die feuerwehrtechnischen Beamten der Berufsfeuerwehr werden von der Stadt bezahlt. Aber auch Großstädte wie München können auf die Unterstützung durch zahlreiche freiwillige Feuerwehren im Stadtgebiet nicht verzichten.
Die Alarmierung der Feuerwehren in Bayern erfolgt durch die sogenannten „Integrierten Leitstellen“ kurz ILS. Im Landkreis München hingegen kümmert sich die Feuerwehreinsatzzentrale (FEZ) um die Alarmierung, Disposition und Einsatzabwicklung von Feuerwehreinsätzen. Technisch und personell steht die FEZ einer ILS in nichts nach. Mehr dazu später.

Zurück zu Unterhaching
Die Freiwillige Feuerwehr Unterhaching mit ihren insgesamt ca. 180 Mitgliedern, stellt etwa 120 aktive Feuerwehrdienstleistende, die im Einsatz und Übungsdienst tätig sind. Angeführt werden diese Frauen und Männer vom örtlichen Kommandanten. Der Kommandant und sein Stellvertreter werden von den aktiven Feuerwehrleuten alle sechs Jahre gewählt. Nach der Wahl muss dieser durch den Gemeinderat bestätigt werden. Er ist somit für die technische und personelle Führung der aktiven Mitglieder verantwortlich. Er leitet in der Regel die Einsätze und sorgt mit der Planung von Übungen und Ausbildungen für die Weiterbildung der aktiven Feuerwehrleute. Mehr Informationen zu unserer Organisation und welche zusätzlichen Aufgaben der Kommandant in Unterhaching übernimmt, finden Sie in der Rubrik „Über uns“.
Wie schon erwähnt sorgt die Gemeinde für die technische Ausstattung mit Geräten, Fahrzeugen, Einsatzkleidung und den Unterhalt des Feuerwehrhauses. Der Feuerwehrverein unterstützt die Gemeinde mit seiner jährlichen Haussammlung. Mit Ihren Spenden wird  Ausrüstung angeschafft, die sich die Gemeinde sonst nicht leisten könnte, bspw. werden so Finanzierungen von Fahrzeugbeschaffungen unterstützt. So wurden vor einigen Jahren die beiden First Responder Fahrzeuge inkl. medizinischer Ausstattung weitgehend von Spenden finanziert.

Ein typischer Einsatzverlauf
Im folgenden Abschnitt möchten wir Ihnen erklären, wie ein typischer Einsatz für einen freiwilligen Feuerwehrmann/-frau abläuft.
 Stellen Sie sich vor, Sie bemerken dass es in Ihrem Keller zu einer starken Rauchentwicklung kommt. Sie bringen sich und andere Bewohner sofort in Sicherheit und wählen die Notrufnummer 112. Sie werden mit der ILS München verbunden die den Einsatz direkt und unverzüglich per Standleitung weitergibt oder den Anrufer mit der FEZ München Land verbindet. Der Disponent  am Telefon fragt sie nach den bekannten 5-W- Fragen ab. Wo ist der Schadens- bzw. Unfallort, was ist passiert, wie viele Verletzte gibt es und welche Verletzungen liegen vor, wer meldet den Einsatz und zu guter Letzt legen sie bitte nicht auf sondern warten auf weitere Fragen des Disponenten. Mehr zum richtigen Notruf erfahren sie in unserer Rubrik „Bürgerinfo.  Noch während dem Telefongespräch gibt der Disponent alle erforderlichen Daten im computerunterstützten Einsatzleitsystem ein und erklärt Ihnen, falls nötig, bei medizinischen Notfällen Ersten Hilfe Maßnahmen. An Hand Ihrer Erzählungen, bewertet der feuerwehrtechnisch und medizinisch ausgebildete Disponent den Notruf und erarbeitet sich ein Schlagwort. In unserem Fall würde der Disponent auf BRAND KELLER – PERSON IN GEFAHR zurückgreifen. Das Einsatzleitsystem schlägt dem Disponenten nun Fahrzeuge und Geräte vor die man benötigt um den Kellerbrand zu bekämpfen, wie z.B. Löschwasser, Wärmebildkamera und Atemschutzgeräte. Berücksichtigt wird dabei die zur jeweiligen Tageszeit verfügbare Mannschaftsstärke der örtlichen Feuerwehr, sowie die zur Verfügung stehenden technischen Mittel und Fahrzeuge. Wird z.B. eine Drehleiter benötigt, die die örtliche Feuerwehr nicht besitzt, kann automatisch die nächste Feuerwehr mit Drehleiter dazu alarmiert werden. Je nach Einschätzung des Notrufes kann der Disponent den Alarmierungsvorschlag des Einsatzleitsystems, wenn nötig, abändern. Computergesteuert löst der Disponent den Alarm für die Einsatzkräfte aus. Zwischen Notrufeingang und Alarmierung sollen nicht mehr als 90 Sekunden vergehen.
Alle aktiven Mitglieder einer freiwilligen Feuerwehr haben so genannte Funkalarmempfänger. Diese tragen Sie immer bei sich und sind so stets erreichbar. Nachdem die FEZ alarmiert hat, geben die Funkalarmempfänger einen lauten Pfeifton ab. Somit wissen die Feuerwehrleute, dass sie sich so schnell wie möglich im Feuerwehrhaus einfinden müssen und das bei Tag sowie Nacht. Egal ob sie gerade essen, einkaufen, in der Arbeit sind oder schlafen. Jetzt heißt es, zum Feuerwehrhaus fahren, entweder mit dem Auto, Fahrrad oder auch mal zu Fuß.
Auf dem Autodach wird ein Einsatzschild befestigt, darauf steht „Feuerwehr im Einsatz“. Wenn Sie so ein Auto sehen, seien Sie deshalb so freundlich und lassen Sie dieses Fahrzeug wenn möglich vorbei. Dieses Fahrzeug hat Sonderrechte und darf z.B. bei Rot über Ampeln fahren, natürlich nur unter größtmöglicher Rücksichtnahme auf andere Verkehrsteilnehmer.
Am Feuerwehrhaus angekommen, begeben sich alle Einsatzkräfte zu ihren Spinden in der Fahrzeughalle. Hier wird schnell die Einsatzkleidung angelegt. Der Kommandant oder einer der Zug- und Gruppenführer hat inzwischen das eingegangene Einsatzfax der FEZ gelesen. Hier sind alle wichtigen Informationen wie Adresse, Art des Einsatzes, benötigte Fahrzeuge und Angaben zum Mitteiler enthalten. Über Lautsprecher wird dann eine Durchsage mit den wichtigsten Informationen für die Einsatzkräfte gemacht, z.B. „XY-Straße 10, Kellerbrand, Person eingeschlossen, es rücken aus, der 49/1, 30/1, 40/1 und 48/1“. Die Nummern bezeichnen die benötigten Fahrzeuge. So sind z.B. die Fahrzeuge mit der Bezeichnung 40 – 49 immer Löschfahrzeuge. Das Fahrzeug 30/1 ist die Drehleiter. Die Reihenfolge der Nummernaufzählung zeigt den Feuerwehrleuten an, welche Fahrzeuge zuerst am Einsatzort gebraucht werden.
Die Fahrzeuge werden nun besetzt. Ein ausgebildeter Maschinist übernimmt das Fahrzeug als Fahrer. Ein Zug- oder Gruppenführer sitzt auf dem Beifahrersitz, er übernimmt die Führung des Fahrzeugs und der Mannschaft. Die Mannschaft nimmt in der Kabine Platz. Wenn es nötig ist, rüsten sich die Atemschutzgeräteträger bereits jetzt im Fahrzeug mit den Atemschutzgeräten aus. Der Gruppenführer kann auf der Anfahrt zur Einsatzstelle die Mannschaft bereits für bestimmte Aufgaben einteilen. 
Um möglichst schnell zur Einsatzstelle zu gelangen und dabei keine Gefahr für den Straßenverkehr darzustellen, müssen die Feuerwehrfahrzeuge mit Blaulicht und Martinshorn ausrücken. Wir bemühen uns jedoch immer, wenn es die Verkehrssituation zulässt, das Martinshorn abzuschalten um keine Bürger zu belästigen, vor allem in der Nacht.
Bei der Ausfahrt aus dem Feuerwehrhaus übermittelt der Gruppenführer den Status („aus zur Einsatzstelle“) seines Fahrzeugs mittels des Funkmeldesystem (FMS) an die FEZ. An der Einsatzstelle angekommen wird dann wiederum „am Einsatzort an“ gesendet. Diese auf sich aufbauenden Informationen sind für die Einsatzzentrale zur Überwachung des Einsatzfortschritts und für die Dokumentation sehr wichtig.
Zumeist fährt der Einsatzleiter als erster mit dem Kommandofahrzeug (10/1) voraus, um die Lage an der Einsatzstelle zu erkunden. So kann er wertvolle Informationen sammeln und sich bereits einen Plan zurechtlegen wie der Einsatz abgearbeitet werden soll. Wenn die anderen Feuerwehrfahrzeuge an der Einsatzstelle eintreffen, bekommen die Zug- und Gruppenführer vom Einsatzleiter entsprechende Einsatzbefehle. So werden in unserem Beispiel, zuerst die vermissten Personen im Haus gesucht und parallel wird mit der eigentlichen Brandbekämpfung begonnen. Hier muss man sich vor Augen halten, dass der zeitliche Horizont von Alarmierung der Feuerwehr bis zur ersten Durchsuchung des Hauses gerade einmal bei 10 Minuten liegt. Der Einsatzleiter steht mit seinen Zug- und Gruppenführern über Sprechfunkgeräte ständig in Verbindung. So wird permanent die aktuelle Lage abgefragt, bewertet und entsprechende Maßnahmen eingeleitet. Die FEZ wird ebenfalls ständig über den Einsatzverlauf unterrichtet. Wichtige Ereignisse, wie z.B. „Person gerettet“, oder „Feuer aus“ können so wieder für die Einsatzdokumentation festgehalten werden. Auch benötigte Unterstützung durch Spezialgerätschaften oder weiterer Feuerwehren können so von der FEZ direkt eingeleitet werden. 
Der Einsatz ist jetzt beendet, Personen sind gerettet, das Feuer gelöscht, das Haus mittels Überdruckbelüftung rauchfrei gemacht. Alle verwendeten Gegenstände werden wieder in die Fahrzeuge verladen und die Feuerwehr fährt zurück ins Feuerwehrhaus. Der Einsatzleiter meldet der FEZ die Beendigung des Einsatzes und auch die Zug- und Gruppenführer melden den Status ihrer Fahrzeuge „vom Einsatzort ab“ und danach „im Gerätehaus ein“. Die Mannschaft geht aber noch nicht nach Hause. Jetzt heißt es erst mal, die Fahrzeuge wieder einsatzbereit zu machen. Alle gebrauchten Schläuche werden durch frische ersetzt, die Atemschutzgeräte und Masken werden ausgetauscht, die Wassertanks der Fahrzeuge und Benzintanks der Stromerzeuger werden wieder betankt.
Der Einsatzleiter dokumentiert den Einsatz mit einem Einsatzbericht. Hier werden Mannschaftstärke, ausgerückte Fahrzeuge, verwendete Geräte und Stichpunktartig der Einsatzverlauf notiert. Die FEZ teilt per Telefon noch weitere Daten mit, wie z.B. Alarmzeit, Alarmnummer, usw.. Diese Daten werden später in eine Datenbank eingegeben. Einen Auszug daraus, können Sie etwas später auf der Homepage der Feuerwehr Unterhaching in der Rubrik „Einsätze“ nachlesen.
Ist das alles erledigt, gibt es unter Umständen eine kurze Einsatznachbesprechung. Dies ist wichtig um das gerade erlebte zu verarbeiten, da unsere Einsätze manchmal psychisch sehr belastend sind. So ein Einsatzszenario kann je nach Umfang mehrere Stunden in Anspruch nehmen.
Danach kehren die Feuerwehrleute wieder zurück nach Hause, an den Arbeitsplatz oder machen damit weiter womit sie vor dem Einsatz beschäftigt waren. Besonders bei Nachteinsätzen kommt es öfters vor, dass hier keiner mehr ein Auge zumacht bis schon wieder der Wecker klingelt.
Wir opfern gerne unsere Freizeit für Ausbildung und Einsätze zur Sicherheit unserer Unterhachinger Mitbürger/-innen. Es ist uns jedoch ein Anliegen hier nochmal klarzustellen, dass der Dienst einer freiwilligen Feuerwehr ehrenamtlich geleistet wird. Für uns selbstverständlich, für die Allgemeinheit unverzichtbar.