Einsatzübung – Zimmerbrand im Alten- und Pflegeheim

Weitläufige Flure, Zimmer an Zimmer, eine große Anzahl älterer Menschen, teils pflegebedürftig im Bett liegend, teils mobil mit dem Rollstuhl, Rollator oder mit Krücken – all das sind Herausforderungen denen sich die Feuerwehr bei einem Brand in einem Altenheim stellen muss. Genau diesen Herausforderungen hat sich die Feuerwehr am Vormittag des 4. November gestellt. Gott sei Dank nur im Rahmen einer Einsatzübung.

Eine Pflegekraft bemerkt gegen 9:30 Uhr Brandrauch, der aus einem Fenster im 2. Obergeschoss dringt. Sofort geht sie auf den Flur und betätigt dort einen Druckknopfmelder. Im KWA Wohnstift ist daraufhin der akustische Räumungsalarm zu hören. Zeitgleich wird der Feueralarm von der Brandmeldeanlage automatisch an die Leitstelle übertragen, welche unverzüglich die Feuerwehr alarmiert.

Die Einsatzübung beginnt:

„Einsatz für die Feuerwehr Unterhaching, Feuermelder im KWA Wohnstift am Parksee, Rathausstraße 34, Feuerwehreinsatzplan UHG1“, so lautet die Einsatzmeldung der Übungsleitstelle an die Feuerwehr. Kurz darauf rücken die beiden First Responder Fahrzeuge, gefolgt vom Einsatzleitwagen, zum KWA Wohnstift an den Parksee aus. Wie in der Ausrückeordnung bei einem Brandereignis vorgesehen, machen sich auch kurz darauf die beiden Löschfahrzeuge und die Drehleiter auf den Weg an die Einsatzstelle. Während der Einsatzleiter an der Brandmeldeanlage steht und einen Trupp zur Erkundung in die Richtung des ausgelösten Druckknopfmelders schickt, erkundet sein Führungsgehilfe den Innenhof des Altenheims. Bei seiner Erkundung im Innenhof findet der Führungsgehilfe einen Brandverletzten und bemerkt eine starke Rauchentwicklung aus einer der Wohnungen im 2. Obergeschoss. Nachbarn der Brandwohnung stehen bereits auf den Balkonen und rufen um Hilfe. Ihnen ist der Fluchtweg, über den bereits massiv verrauchten Flur, abgeschnitten.

Diese Informationen werden sofort an den Einsatzleiter und an die Leitstelle weitergegeben, welche einen zweiten Löschzug, Kreisbrandmeister Thilo Hoffmann, mehrere Rettungswägen sowie die Einsatzleitung seitens des Rettungsdienstes an die Einsatzstelle beorderte (Anmerkung: Bei einem echten Alarm wären drei Löschzüge, der ABC-Zug und Einsatzleitwagen des Landkreis München sowie weitere Mitglieder der Kreisbrandinspektion an die Einsatzstelle beordert worden).

Kurz darauf beginnt die Drehleiter der Feuerwehr Unterhaching im Innenhof des Altenheims mit der Menschenrettung von den Balkonen. Am Boden kriechend, unterhalb der dichten Rauchschicht, machen sich zeitgleich mehrere Atemschutzgeräteträger auf die Suche nach Bewohnern die im dichten Rauch keinen Ausweg gefunden haben. Durch Atemschutztrupps geretteten Personen werden dem Rettungsdienst zur Sichtung und weiteren Behandlung übergeben. Erschwerend für die Atemschutzgeräteträger kommt hinzu, dass die Bewohner teils im Rollstuhl sitzen, teils blind sind oder nur mit Krücken mobil sind. Zwischenzeitlich hat sich der Einsatzleiter des Rettungsdienstes dazu entschlossen die Cafeteria des Altenheims als Übergabepunkt und Behandlungsplatz zu verwenden. Dort werden mehrere gerettete Bewohner durch die Besatzungen der Rettungswägen versorgt, behandelt und abtransportiert.

Der eintreffende Zugführer der Feuerwehr Taufkirchen bekommt vom Feuerwehreinsatzleiter den Auftrag mit seiner Drehleiter die Personenrettung von den Balkonen auf der Westseite des Gebäudes durchzuführen sowie mit Atemschutzgeräteträgern bei der Personensuche und Menschenrettung aus dem Brandgeschoss zu unterstützen. Ein eingespielter Kreislaufkollaps bei einem Atemschutzgeräteträger, auch Atemschutznotfall genannt, wird von einem Rettungstrupp der Feuerwehr Taufkirchen zügig gerettet, ins Freie gebracht und dem Rettungsdienst zur weiteren Versorgung übergeben.

Gegen 10:50 Uhr wird das Übungsende durch die Übungsleitung bekannt gegeben. Letztendlich galt es insgesamt 15 Mimen, zwei 80kg schwere Übungspuppen sowie einen kollabierten Atemschutzgeräteträger aus dem Brandgeschoss zu retten und zu versorgen. Bei diesem Szenario kommt man selbst mit zwei Löschzügen personell und materiell an die Grenzen.

Gott sei Dank war alles nur eine Übung und ein eingespieltes Szenario. Selbiges könnte natürlich auch in Wirklichkeit eintreten, wie Einsätze (z.B. in Grünwald am 2.11.2017 oder in Ottobrunn am 16.5.2015) in der jüngsten Vergangenheit gezeigt haben. Nur mit solch einem realistischen dargestellten Übungsszenario können wir uns optimal auf den Ernstfall vorbereiten. Gerade für die Zusammenarbeit und Kommunikation in der Führungsebene, angefangen beim Kreisbrandmeister über den Einsatzleiter bis hin zum Gruppenführer sind solch größere Schadenslagen sehr lehrreich. Aber auch für die Mannschaft und ganz besonders für die Atemschutzgeräteträger sind solche Übungen unerlässlich und wichtig. Wie üblich fand im Anschluss eine ausführliche Nachbesprechung statt. Von den Übungsbeobachtern gab es dabei nicht nur Lob, sondern es wurden auch einige Fehler angesprochen die man nun genauer unter die Lupe nehmen muss.

Ohne Übungsobjekt kann keine Übung stattfinden und so möchten wir uns ganz besonders bei der Hausleitung vom KWA Wohnstift am Parksee und den Bewohnern vom 2. Obergeschoss im Bauteil C bedanken, die ihr Wohnstift bzw. ihre Wohnungen für die Einsatzübung zur Verfügung gestellt haben. Besonders hervorheben möchten wir, dass die Hausleitung vom KWA Wohnstift am Parksee aktiv bei der Feuerwehr bezüglich einer Einsatzübung angefragt hat. In der heutigen Zeit eher eine Seltenheit! Ein Dank auch für Speis und Trank nach der Einsatzübung.

Bedanken möchten wir uns an dieser Stelle auch sehr herzlich beim MKT e.V. – Verein für Rettungsdienst und Katastrophenschutz in Bayern, bei der Aicher Ambulanz Union sowie beim Bayerischen Roten Kreuz die mit mehreren Rettungsdienstfahrzeugen an der Einsatzübung teilgenommen haben. Ein großer Dank auch an die Kameraden der Feuerwehr Taufkirchen für die tatkräftige Unterstützung! Auch ein Streifenwagen der Polizei wurde zur Übungsdarstellung durch die Polizeiinspektion 31 für die Einsatzübung abgestellt, danke hierfür. Bei unserem Mimenteam, ohne die eine realistische Übung nicht machbar gewesen wäre, sowie bei Hans Berthold, der wieder einmal die Rolle des Disponenten in der Übungsleitstelle übernommen hat. Ein Dankeschön geht auch an alle Übungsbeobachter sowie an die zwei Fotografinnen Luisa Ohletz und Marie-Theres Artmann für die tollen Fotos. Zu guter Letzt noch ein großer Dank an Marco Scheimgraber, Georg Rehm, Martin Bogensberger und Sebastian Ruppert für die komplette Planung und Vorbereitung dieses umfangreichen Übungsszenarios!